Walter Ruck

29
Nov

„Nur die Wirtschaft schafft neue Jobs

Der Wiener Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck im Gespräch über die Bekämpfung der Rekordarbeitslosigkeit, unternehmerfreundliche Politik und die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Wien.

Interview: Tatjana Pantelic | Fotos: Michael Mazohl

VBW: Sind Sie mit dem Wahlergebnis in Wien zufrieden?
RUCK: Es ist schade, dass bei dieser Wahl Inhalte und Sachthemen nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Denn eines ist klar: Wien hat einen gewaltigen Berg an schwierigen Herausforderungen zu bewältigen. Zum Beispiel die steigende Arbeitslosigkeit und das sinkende Wirtschaftswachstum. Wenn wir in Wien eine positive Zukunft haben wollen, müssen wirtschaftliche Fragen wieder in den Mittelpunkt rücken.

VBW: Sie fordern eine unternehmerfreundliche Politik für Wien nach der Wahl. Wie soll diese konkret aussehen? Was muss sich im Vergleich zur Politik der letzten Legislaturperiode ändern?
RUCK: Der Frust der Unternehmer ist schon sehr groß: Steigende Steuern und Abgaben, steigender Verwaltungsund Bürokratieaufwand auf der der einen Seite – keine Mitbestimmung bei Projekten und Stadtentwicklung auf der anderen Seite. Da plant man beispielsweise die Umgestaltung einer Einkaufsstraße mit tausenden angesiedelten Betrieben und kommt nicht auf die Idee auch die Unternehmer in den Prozess mit einzubeziehen – das ist absurd und wirtschaftsfeindlich. Die Politik muss die Interessen der Unternehmer und Betriebe künftig wieder ernst nehmen.

VBW: Um gegen die Rekordarbeitslosigkeit anzukämpfen, haben Sie gemeinsam mit dem ehemaligen ÖVP Wien-Chef Manfred Juraczka einen 11-Punkte-Plan vorgestellt, der Entlastung, den Wegfall der Werbeabgabe bis hin zu Investitionen aber auch die Tourismuszonen beinhalte. Werden Sie davon etwas in den nächsten Jahren umsetzen können?
RUCK: Eines ist klar: Nur die Wirtschaft – also Unternehmer und Betriebe – schafft neue Jobs. Wollen wir in Wien die Rekordarbeitslosigkeit bekämpfen, brauchen wir eine Politik, die Unternehmer fördert und unterstützt anstatt sie mit immer neuen Belastungen zu erdrücken. Nur dann werden Unternehmen am Standort Wien investieren und neue Jobs schaffen. Ich gehe davon aus, dass wir gemeinsam mit dem Rathaus neue Inhalte zur Attraktivierung des Wirtschaftsstandortes umsetzen werden. Positive Signale seitens der Politik sind bereits da.

VBW: Was kann die Wirtschaftskammer Wien konkret gegen die steigende Arbeitslosigkeit unternehmen?
RUCK: Wir zeigen der Politik, was zu tun ist, damit Betriebe nach Wien kommen, Unternehmer hier investieren. Wir bringen konkrete Vorschläge wie die Wiener Tourismuszonen, die rasch 800 neue Jobs schaffen würden. Die Politik müsste nur noch abnicken – es wäre relativ einfach.

VBW: Immer mehr Betriebe wandern aus Wien ab. Kann die Wirtschaftskammer Wien den Wirtschaftsstandort attraktiver gestalten?
RUCK: Alleine die Politik ist dafür verantwortlich, ob Wien als Wirtschaftsstandort attraktiv ist oder nicht. Das Rathaus ist dafür verantwortlich, ob die Gebühren jedes Jahr steigen und die Unternehmer in der Bürokratie des Magistrats untergehen. Wird die Wiener Politik endlich wirtschaftsfreundlicher, wird der Standort wieder attraktiver.

VBW: Regelmäßig wird über die Sonntagsöffnung diskutiert. Wann werden wir sonntags einkaufen gehen können?
RUCK: Die Wirtschaftskammer Wien setzt sich seit einigen Monaten für Wiener Tourismuszonen ein. Dort, wo am Sonntag viele Touristen unterwegs sind, sollen die Unternehmer die Freiheit haben zu entscheiden, ob sie ihr Geschäft aufsperren wollen. Unser Vorschlag liegt seit Sommer am Tisch der Gewerkschaft, der Bürgermeister hat die Letztentscheidung. Tourismuszonen könnten rasch, unbürokratisch und ohne Kosten jederzeit umgesetzt werden. Berechneter Nutzen: 800 neue Jobs und 140 Mio. Mehrumsatz im Einzelhandel.

VBW: Wie kann man Einkaufsstraßen, in denen viele Lokale leer stehen, wiederbeleben? Ist das überhaupt möglich?
RUCK: Ja, das ist möglich. Allerdings müsste die Stadt einiges in die Sanierung und Modernisierung investieren. Zuletzt sind beinahe alle Mittel in den Umbau der Mariahilfer Straße geflossen – eine Einkaufsstraße, die auch schon vor der Umgestaltung die erfolgreichste des ganzen Landes war.

VBW: Denken Sie, dass der Gründungsprozess noch immer zu bürokratisch ist? Was könnte man besser machen um das Gründen attraktiver zu gestalten?
RUCK: Die Gründungsphase ist mitentscheidend, ob ein Jungunternehmer Erfolg hat. Die Wirtschaftskammer begleitet die Unternehmer in jeder Phase der Gründung und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Bei uns bekommen Sie alles aus einer Hand und müssen nicht mehrere Stellen anlaufen. Ich denke, dass man immer etwas besser machen kann, die Unternehmensgründung funktioniert in Österreich aber schon sehr gut.

VBW: Wozu brauchen Sie mehrere Vizepräsidenten in der Wirtschaftskammer Wien?
RUCK: Wir haben nach der Wahl eine Allianz der konstruktiven Kräfte in der Wirtschaftskammer Wien beschlossen. Über Parteigrenzen hinweg ziehen wir an einem Strang zum Wohle der Unternehmer in Wien. Deshalb habe ich auch Stellvertreter aus mehreren politischen Lagern. Wir wollen noch näher bei den Unternehmern sein und gemeinsam für die Wirtschaftstreibenden in der Stadt Verbesserungen erreichen.